CL-Qualifikation: 2. Runde: Anorthosis Famagusta - SK Rapid Wien, am 30. Juli 2008
Als österreichischer Meister musste Rapid erst in der 2.Qualifikationsrunde zur Champions-League antreten. Die Auslosung brachte eine unangenehme Aufgabe: Anorthosis Famagusta. Dieser Verein bestreitet all seine Spiele seit der Vertreibung durch den türkischen Einmarsch 1974 “away“ in Larnaka. Zwar spielte der Verein zu der Zeit keine Meisterschaft, aber die Bedingungen auf Zypern kommen natürlich trotzdem der “Heim“-Mannschaft sehr zu gute. Extreme Hitze (weit über 40°C unter Tags, abends noch immer rd 28-30°C), die von Mitteleuropäern grade mal am Strand liegend ertragen werden kann, ist typisch für diese Jahreszeit.
Das X war natürlich auch vertreten bei dieser wichtigen EC-Partie und am Tag vor dem Spiel gings per Flieger nach Larnaka. Niki Lauda selbst hat uns geflogen und wird diesen Flug wahrscheinlich auch nicht so bald vergessen. Jede Menge “billig“ erstandenes Hochprozentiges aus dem Duty-Free brachten die 140 mitgereisten Fans so richtig in Sangeslaune. Schade, dass in der Hauptreisezeit keine zusätzlichen Flugzeuge zu bekommen waren, denn so wurde einigen hundert reisewilligen Fans die Möglichkeit genommen…
Richtig gut hatten wirs mit der Lage des Hotels erwischt: einfach über die Strasse zum Strand! Nebendran 2 Bars und ein Kiosk (bzw. Mini-Supermarkt), die in diesen beiden Tagen das Geschäft der Saison machten! Die Bierpreise waren mit € 1,60 am Kiosk und zwischen € 2,00-2,80 erstaunlich moderat, denn Zypern ist ansonsten alles andere als preiswert.
Abends wurde nach dem Besuch des Abschlusstrainings ein typisches zypriotisches Restaurant besucht, dessen Küche (logischerweise) stark an die griechische angelehnt ist. Einige Biere später wurde aber doch das Bett aufgesucht, da der Spieltag anstrengend sein würde.
Gleich in der Früh gings wieder an Strand, einfach zu verlockend das – um diese Uhrzeit noch erfrischende – Mittelmeer. Im Anschluss daran stand Kultur auf dem Programm.
Gemeinsam mit “el gubo“ und “kingtubby“ gings (allerdings in der Mittagshitze…) in die Altstadt bzw. was davon nach mehreren Erdbeben, von denen Larnaka immer wieder heimgesucht wurde, übrig war. Viel wars nicht, aber zumindest waren wir auf dem Kastell, das der Verteidigung gegen alle möglichen fremden Eroberer diente. Als letzte benutzten es die Briten als Gefängnis.
Dann wurde der immer unmenschlicher werdenden Hitze Tribut gezollt, daher musste wieder Flüssigkeit in den Körper, und zwar immer wieder. Für einen 6km-Spaziergang haben wir 3 Tavernen und insgesamt 6 Stunden benötigt. Klugerweise hatten wir uns sofort an das Tempo der Einheimischen angepasst.
Vom Hotel dann sofort ab zum Stadion, das wir rund 2 Stunden vor Spielbeginn erreichen konnten. Am Weg zum Eingang in unseren Sektor dann das skurrilste Erlebnis dieser Reise: hatten die Zyprioten doch tatsächlich einen open-air-Grill aufgebaut, und verkauften da noch ihre Souvlaki-Spiesschen. Sehr gemütlich verzehrten die Zyprioten ihr Abendessen und tranken aus Flaschen und Gläsern. Wir wurden da vorbei gelotst, und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Was da an potentiellen Wurfgegenständen rumlag… Im Vergleich zu den Security-Bestimmungen anderswo in Europa fast schon wieder sympathisch.
Im Stadion wurde dann der Schurli prominent in der Mitte der oberen Mauer plaziert und noch ein wenig über die sportliche Ausgangslage gefachsimpelt. Sehr erfreulich, dass unsere Freunde aus Athen (Gate 13) auch anwesend waren und herzlich im Block begrüsst wurden. Vor Anpfiff eine Kuriosität, die in Griechenland, Zypern und auch der Türkei Standard sein dürfte: aus der Kurve wurden zwei Einpeitscher aufs Spielfeld gelassen, die dort nochmals alle Kurven zum gemeinsamen Gesang animierten.
Das Spiel selbst verlief dann entgegen allen Erwartungen: zwar hatte Rapid den Gegner in den ersten 30 Minuten gut im Griff, doch wir konnten keinerlei gefährliche Torsituationen herausspielen. Das Gegentor in der 35. Minute war aber an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten (Zypriot wird nach einem Einwurf angeschossen und der Ball liegt einfach so im 16er rum) und danach wurden wir immer schwächer. Kraft- und saftlos schleppte sich die Mannschaft übers Feld und wir wollten eigentlich nur noch die knappe Niederlage nach Hause bringen. Jetzt erst fiel mir wieder die offen zur Schau gestellte Zuversicht der Zyprioten ein. Wir werden uns von denen doch nicht den EC verderben lassen, schoss es mir noch durch den Kopf! Doch noch 2 Gegentore bedeuteten nun eine ganz schlechte Ausgangslage für das Rückspiel. Die Stimmung in der Kurve ging nun natürlich nach unten und auch im Flieger nach Hause wollte jeder nur noch Ruhe. Fürs Rückspiel brauchen wir jetzt ein Wunder, und zwar ein solches, das ich schon einmal live miterleben konnte: 1985 gegen Dresden mit genau dem gleichen Resultat aus dem Auswärtsspiel.
Um 4 Uhr morgens in Wien angekommen, hat sich dankenswerterweise Michi M vom SGW erbarmt und mich mit dem Auto nach Wien mitgenommen (hatte leider die S-Bahn verpasst).
Fazit: Reise ok, Resultat indiskutabel.
Aber die Chance lebt!